Fotolehrgang Lektion 1 -- Das so finden Sie das richtige Motiv



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Das richtige Motiv

Fotolehrgang Lektion 1 Das Motiv

Weniger ist manchmal mehr

Was nützt Ihnen die teuerste und beste Kamera, wenn Sie kein geeignetes Motiv zum fotografieren finden; oft wirken Bilder langweilig, weil einfach nur wild drauf los geknipst wird. Bei der Fotografie lautet das Motto weniger ist manchmal mehr; das gilt bei der digitalen Fotografie wie auch beim Fotografieren mit einer analogen Kamera.

Wie könnte nun das richtige Bild Motiv aussehen?

Eine Definition für das richtige Motiv kann und wird es nicht geben, es kommt immer darauf an, was man mit dem Foto ausdrücken möchte und was auf dem späteren Foto dargestellt werden soll, und da sind wir eigentlich schon beim Thema. Wenn man erst einmal soweit ist, daß man sich vor dem Drücken des Auslösers Gedanken darüber macht, wie das spätere Foto aussehen soll und was man dem Betrachter später zeigen möchte, ist man schon auf dem besten Weg vom Knipser zum Fotograf.

Oft wird zum Beispiel beim Fotografieren von Personen der Fehler gemacht, einfach die Kamera auf die Gruppe zu halten und loszuknipsen, ohne einen Gedanken darüber zu verschwenden, wie weit die Gruppe von der Kamera weg steht. Was aus der Sichtweise des menschlichen Auges als normal erscheint, wirkt sich auf dem 2D- Foto schon ganz anders aus. Oft ist die Personengruppe auf dem späteren Foto zu weit weg fotografiert, daß der eigentliche Augenmerk später nicht mehr die Gruppe ist, sondern vielleicht eine Laterne oder irgendein Busch, der zufällig im Vordergrund des Fotos beim Fotografieren war.

Wenn kein Zoom-Objektiv zur Verfügung steht, sollte der Fotograf dann doch eher ein paar Schritte auf die Personengruppe zugehen, so daß diese den Sucher voll ausfüllt, das spätere Foto wird so dem Betrachter sicherlich besser gefallen, auch ist es in den meisten Fällen schöner, wenn alle Personen komplett auf dem späteren Foto zu sehen sind. Es sieht später nicht wirklich schön aus, wenn
bei zwei von z.B. drei Personen die Füße fehlen oder noch schlimmer der Kopf.

Natürlich könnte nun einer sagen, ein Schnappschuß ist immer besser als eine gestellte Szene. Das ist auch ganz sicher richtig, trotzdem sollte dieses Wissen immer im Hinterkopf eines Fotografen festgebrannt sein und es sollte trotzdem versucht werden, zumindest alle Personen komplett darzustellen.

Bei den heutigen Digitalkameras mit hoher Auflösung kann das Motiv natürlich auch später am PC gewählt werden, man bedenke allerdings, daß nur Teile vom Bild abgeschnitten werden können, ein Hinzufügen ist leider nicht möglich.

Ein Motiv erkennen

runtergelatschte Schuhe
Ein Motiv muß nicht immer von Grund auf interessant sein, wie vielleicht das Beispiel mit der Personengruppe, auch ein auf dem ersten Blick unscheinbareres Motiv, wie z.B. ein paar runter gelatschte Schuhe, kann einen gewissen Reiz bieten.

Es kommt wie schon erwähnt immer darauf an, was der Fotograf mit seinem Foto ausdrücken möchte. Diese Bild soll jetzt nicht als professionelles Bild rüberkommen, sondern nur einen Anreiz zum Fotografieren geben. Motive, welche vielleicht nicht auf dem ersten Blick wie eins aussehen, können dennoch eines sein, wo wir wieder bei dem Thema sind, sich Gedanken zu machen, bevor der Auslöser der Digitalkamera gedrückt wird.
ausgelatschte Schuhe 2
Ein Foto hat gleich eine andere Ausstrahlung, wenn der Hintergrund des Objektes geändert, oder das Objekt selbst mehr in den Mittelpunkt gerückt wird.

Ich hätte die Fotos mit den Schuhen lieber an einem sonnigen Strand gemacht, mit Wasser im Hintergrund und vielleicht noch ein paar größere Steine in der Nähe, um die Wirkung eines augenscheinlich uninteressanten Motivs noch zu verstärken, doch leider bin ich in letzter Zeit nicht in die Nähe einer derartige Location gekommen. Bei Gelegenheit werde ich noch ein Foto einstellen. Ich
möchte allerdings bezweifeln, daß dies dann die gleichen Schuhe sein werden.

Der Hintergrund des Fotos

Auch der Hintergrund sollte beim Fotografieren unbedingt beachtet werden. Es ist später oft ärgerlich, wenn bei einem schönen Portrait-Foto irgendwelche Steckdosen oder leer gegessene Konserven-Dosen das Foto ruinieren, oder auf einer Park-Aufnahme ein voller Mülleimer, gefüllt mit unappetitlichen Sachen, das Augenmerk des Betrachters auf sich lenkt. Es sind oft Kleinigkeiten, welche ein professionelles Foto von einem geknipsten Bild unterscheiden.

Fotos aus verschiedenen Perspektiven

Versuchen Sie ruhig Ihr Motiv aus verschiedenen Perspektiven zu fotografieren. Versuchen Sie doch mal ein Hochhaus von unten nach oben zu fotografieren. Fotografieren Sie Ihr Objekt von Blickwinkeln, welche von der normalen menschlichen Sichtweise abweichen. Sie werden sehen, es werden sicher interessante Fotos dabei raus kommen.

Versuchen Sie auch öfters Ihren Standort zu wechseln und das gleiche Motiv von verschieden Orten zu fotografieren, auch dabei können sehr interessante Fotos entstehen. Experimentieren Sie ruhig etwas.

Lichtverhältnisse

Beachten Sie auch die Lichtverhältnisse zu den unterschiedlichen Tageszeiten.

Vor allem die Farben der Fotos, bei z.B. Häuser und Landschaftsaufnahmen, sehen zu den unterschiedlichen Tageszeiten immer anders aus. Vermeiden Sie Aufnahmen während der Mittagszeit, da während der Mittagszeit, wo die Sonne am höchsten steht, die Bilder eher sehr grell und farblos wirken, während Bilder, welche morgens aufgenommen wurden, von den Farben her satt und kräftig und einfach lebendiger rüber kommen. Der Abend verleiht Ihren Fotos weiche und warme Farben. Kommen Sie einfach zu verschiedenen Tageszeiten zu dem Ort, den Sie fotografieren möchten und machen Sie mehrere Fotos. In den Zeiten der Digitalfotografie sind die Anzahl der Aufnahmen glücklicherweise auch keine Kostenfrage.

Hauptmotiv

Beim Fotografieren sollten Sie sich auch stets immer auf das Hauptmotiv konzentrieren, um aussagekräftige Fotos zu erhalten. Viele Nebenmotive lenken nur ab, so daß das Hauptmotiv an Aussage verliert. Versuchen Sie sich auf wenige Details zu konzentrieren und stellen Sie nur auf das Hauptmotiv
scharf. Es entstehen oft sehr interessante Fotos, wenn z.B. bei einem Portrait-Foto die abgebildete Person oder das abgebildete Tier scharf dargestellt wird und der Hintergrund in Unschärfe verschwindet, ähnlich wie bei der zweiten Aufnahme mit den Schuhen, nur das es sich in diesem Fall nicht um ein lebendes Objekt handelt, aber als Veranschaulichung sollte es genügen. Es wird natürlich auch Motive geben, wo ein Durcheinander auf dem Foto durchaus gewollt ist.

Der goldene Schnitt

Seelöwe
Kommen wir zum Schluß von Lektion 1, zu einer der wichtigsten Regel der Digitalen Fotografie, welche natürlich auch für die analoge Fotografie gilt: Der goldene Schnitt. Eigentlich ist diese Regel ja von der Malerei übernommen und lediglich für die Fotografie aufgefrischt worden, auch in der Antike galt der Goldene Schnitt als ideale Proportion für Geometrie und Architektur. Es geht beim goldenen Schnitt in erster Linie darum, die richtige Harmonie bei der Motivgestaltung zu finden. Anfänger der Fotografie neigen oft dazu, das eigentliche Motiv in der Mitte des Bildes scharfzustellen und zu fotografieren, dadurch wirken Bilder oft langweilig.

Was ist nun bei der Fotografie unter dem goldenen Schnitt zu verstehen?

Das Bild wird gedanklich oder mit Hilfe der im Sucher angezeigten Hilfslinien in 3 Teile aufgeteilt, etwa im Verhältnis 2:3. Es geht dabei nicht darum, erst große mathematische Berechnungen durchzuführen, sondern eher das Motiv außerhalb der Mitte zu plazieren, um so interessantere und ansprechendere Fotos zu erzeugen. Das Motiv sollte dabei auf einem der gedachten Schnittpunkte liegen.
Siehe Foto rechts, dabei kommt es nicht 100%ig auf die Genauigkeit von diesem Verhältnis an, das würde auch den Spaß am Fotografieren mindern, wenn erst jedes Mal eine mathematische Berechnung durchgeführt werden müßte. Auch sollte der goldene Schnitt nicht bei jedem Bild angewendet werden. Experimentieren Sie ruhig ein bisschen herum, Sie werden schon ein Auge dafür bekommen.

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