Blende und Blendenstufen - Blende als Helligkeitsangabe



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Blende als Angabe der Belichtung

Fotolehrgang Lektion 3.1 Die Blende als Helligkeitsangabe

Blende und Blendenstufen

In diesem Teil von diesem Fotokurs soll es um den Begriff Blende als Helligkeitsangabe gehen. Sicher haben Sie schon mal so etwas gehört wie:
Das Foto ist zwei Blenden überbelichtet, oder der Hintergrund ist eine Blende unterbelichtet. Bei diesen Aussagen geht es weniger um die Blende als mechanischer Bauteil einer Kamera, sondern um die allgemeine Angabe der Belichtung. Also die Ganzheitlichkeit der Lichteinflüsse, welche Blende, Belichtungszeit, sowie die ASA / ISO Geschwindigkeit umfassen.

Damit ich den Begriff Blende als Belichtungsangabe, an sich, besser erklären kann, möchte ich noch mal kurz auf die Blende als mechanischer Bauteil zurückkommen. Beginnen möchte ich hier mit den einzelnen Blendenstufen, welche auch als Blendenreihe bezeichnet wird. Doch vorher kommen wir zum besseren Verständnis noch einmal zu dem Begriff Blendenwert.

Worauf bezieht sich der Blendenwert ?

Der Blendenwert wird ermittelt, indem die Brennweite (f) durch den Durchmesser der Blendenöffnung dividiert wird.

Beispiel: Ein Normalobjektiv mit einer Festbrennweite von 50 mm mit einer Lichtstärke (maximale Blendenöffnung) von 2, hat eine effektive Blendenöffnung, bei Maximalblende von 25 mm.
Brennweite f (50mm) / Blendenzahl (2) = 25 mm (f/BZ = f/2).

Ein Teleobjektiv mit einer Brennweite (f) von 200 mm mit einer Lichtstärke von maximal 5,6 hat demnach eine maximale Blendenöffnung von ~ 36 mm.
Brennweite f (200mm) / Blendenzahl (5,6) ~ 36 mm (f/BZ = f/5,6).

Hier erklärt sich nun auch der augenscheinliche Widerspruch (große Blende kleiner Blendenwert), welchen ich in Lektion 3 bereits angesprochen habe. Da der Blendenwert, oder auch die Blendenzahl ja der Nenner eines Bruches ist.

Soviel zum Blendenwert kommen wir nun, wie schon versprochen, zur Blendenreihe, also zu den einzelnen Blendenstufen.

Blendenstufen

In der Fotografie wird die ganzheitliche Belichtung oft über den Begriff Blende definiert. Hierzu möchte ich auf die heutige fest definierte Blendenreihe eingehen. Die Blendenreihe ist in Blendenstufen unterteilt, diese wiederum in ganze Blendenstufen, halbe Blendenstufen und drittel Blendenstufen.

Die Lichtmenge welche durch das Objektiv einfällt, halbiert sich jeweils von einer Blendenstufe zur nächsten, hieraus ergibt sich die komplette Blendenreihe.

Der Blendendurchmesser ausgehend vom Durchmesser, der vom jeweiligen Objektiv abhängigen Maximal-Lichtstärke, wird von Blendenstufe zu Blendenstufe um den Faktor 1 / Wurzel 2 reduziert, das heißt die Fläche der Blende und somit die Lichtmenge wird kleiner.
Indem wir nun die Blendenzahl oder eben den Blendenwert mit dem Faktor Wurzel 2 multiplizieren können wir die sogenannte Blendenreihe errechnen. Um jetzt auf die Blendenreihe von ganzen Blendenstufen zukommen, können wir nicht einfach den Wert unserer Maximalblende mit dem Faktor Wurzel 2 multiplizieren, sondern wir müssen uns hier natürlich auf einen Wert beziehen, welcher auch der Blendenreihen-Konvention entspricht. Üblicherweise bezieht man sich hier auf eine Blende von 0,5.

Multiplizieren wir nun den Blendenwert von 0,5 mit unserem Faktor von Wurzel 2 erhalten wir einen Wert von ~ 0,707106 …. Dieser Wert fließt natürlich nicht mit den ganzen Nachkommastellen in die Blendenreihen-Konvention ein, sondern wird auf den Wert 0,7 gerundet. Ausgehend von diesem Wert (f/0,7) kommt man nun wieder leicht auf den Wert der nächsten Blendenstufe: Blende 0,7 multipliziert mit Wurzel 2 ergibt gerundet: einen Blendenwert von 1.

Das können wir nun beliebig fortsetzen, ich möchte Sie damit jedoch nicht langweilen, denn rechnen können Sie mit Sicherheit selber.

Zur Veranschaulichung soll Ihnen nun folgende Tabelle mit Werten von ganzen Blendenstufen dienen. Auf diese Werte bezieht sich dann auch die jeweilige ganzheitliche Belichtungsangabe.

Ganze Blendenstufen

Ganze Blendenstufen

Halbe Blendenstufen

Neben den ganzen Blendenstufen konnten an vielen manuellen Objektiven auch halbe Blendenstufen über den Blendenring eingestellt werden. Folgende Tabelle soll Ihnen einen kleinen Überblick zu den halben Blendenstufen geben.

Halbe Blendenstufen

Drittel Blendenstufen

Heutige Kameramodelle und Objektive bieten oft, oder sogar in der Regel die Möglichkeit die Blende in drittel Blendenstufen zu wählen, dies wird über ein Einstellrad oder eine Wählscheibe in die Kamera eingegeben und elektronisch an das Objektiv übermittelt. Nachfolgende Tabelle soll Ihnen einen kleinen Überblick zu den drittel Blendenstufen verschaffen.

Drittel Blendenstufen

Blende als Angabe der ganzheitlichen Belichtung

Ich hoffe ich konnte Ihnen bis hier hin deutlich machen, worauf sich der Blendenwert bezieht, wie er berechnet wird, worauf sich der augenscheinliche Widerspruch zwischen Blende und Blendenwert bezieht und was eine Blendenreihe ist bzw. was Blendenstufen sind.

Jetzt möchte ich zu dem Punkt kommen, worauf es mir anfangs dieser Lektion überhaupt ankam, nämlich der Begriff Blende als Definition für die ganzheitliche Belichtung einer Fotografie.

Der Begriff Blende wird in der Fotografie neben der Beeinflussung der Lichtmenge durch die Blendenöffnung auch als Helligkeitsangabe verwendet.

Gehen wir hier mal von einem Foto aus, welches deutlich unterbelichtet ist. Wir setzen hier mal ein paar fiktive Werte, für dieses Foto ein, damit wir etwas zum arbeiten haben. Wir gehen mal von einer Blende mit dem Blendenwert von 11 aus, einer Belichtungszeit von 1/30s und einem ISO Wert von 200. Es geht auf den Abend zu und das Licht ist nicht mehr so toll. Wir machen unser Foto und das Ergebnis ist wie zu erwarten ein deutlich unterbelichtetes Foto.

Enttäuscht über unser Foto und dem Wissen das wir nun mehr Licht benötigen machen wir die Blende zwei volle Blendenstufen weiter auf, also von Blende 11 auf 5,6. Jetzt machen wir mit dieser Einstellung das Gleiche Foto noch mal. Jetzt passt es, unser Foto entspricht nun unseren Vorstellungen und wir können uns über unsere tolle Leistung freuen.

Was haben wir gemacht? Wir haben durch das Öffnen der Blende mehr Licht durch das Objektiv gelassen, da der Durchmesser der Blendenöffnung sich vergrößert hat. Dadurch war es uns möglich das Foto ausreichend zu belichten. Wir haben unser Foto also um zwei Blenden mehr belichtet, das Foto genau um zwei Blenden heller gemacht.

Jetzt werden Sie sicher sagen: Ja und? Das ist doch mittlerweile klar und nun auch nichts Neues mehr. Sie haben natürlich recht, worauf ich eigentlich hinaus möchte ist, dass ich das Foto auch ohne den Blendenwert zu verändern, hätte zwei Blenden heller machen können.

Aber wie?

Da gibt es einige Möglichkeiten: Wir könnten das Gleiche Foto am nächsten Tag machen und hoffen, dass das Sonnenlicht dann viermal heller ist, durch die Verdopplung der Lichtquelle, pro Blendenstufe (2 Blendenstufen mal 2 gleich vier), in unserem Fall die Sonne, erreichen wir eine Mehrbelichtung von genau zwei Blenden. Ebenso können wir unser Foto zwei Blenden heller bekommen, in dem wir unsere Belichtungszeit vervierfachen, in unserem Fall von 1/30s (über 1/15s eine Blendenstufe) auf 1/7,5 s. auch das vervierfachen des ISO-Wertes von ISO 200 auf ISO 800 würde unser Foto genau um zwei Blenden heller werden lassen.

Wenn in der Fotografie von Blende gesprochen wird, muss das nicht immer und unbedingt im direkten Bezug zum Blendenwert stehen, sondern man spricht hier oft von der Belichtung an sich.

Fassen wir das noch mal zusammen.

Die Möglichkeiten ein Foto, eine Blende mehr zu belichten:

1. Das Umgebungslicht verdoppeln (Sonne, Lampe, Blitz)
2. Belichtungszeit verdoppeln (z.B. von 1/30s auf 1/15s)
3. ISO-Empfindlichkeit verdoppeln (z.B. von ISO 200 auf ISO 400)
4. Die Blende weiter aufmachen (z.B. von Blende 11 auf Blende 8)

Wenn Sie ein Foto eine Blende dunkler machen möchten, verfahren Sie natürlich in umgekehrter Form.

weiter zu Lektion 3.2 Blende und Tiefenschärfe / Schärfentiefe


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