Blende Tiefenschärfe / Schärfentiefe



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Blende und Tiefenschärfe / Schärfentiefe

Fotolehrgang Lektion 3.2 Blende und Tiefenschärfe / Schärfentiefe

Was bedeutet Tiefenschärfe bzw. Schärfentiefe?

Eines gleich noch mal vorweg, die Begriffe Tiefenschärfe und Schärfentiefe bedeuten, wie ich auch schon im Fotolehrgang Lektion 3, die Blende erwähnt habe, genau das Gleiche. Welcher Begriff nun der exakt Richtige ist, darüber wird in zig Foren nur gestritten. Seit ich mich mit der Fotografie beschäftige, war mir der Begriff Tiefenschärfe am geläufigsten, auch viele ältere Fotografen verwenden den Begriff Tiefenschärfe. In älteren Fotobüchern und Zeitschriften wird der Begriff Tiefenschärfe verwendet. Neuerdings findet man allerdings in der Fachpresse fast ausschließlich nur noch den Begriff Schärfentiefe.

Was aber nun sagen die Begriffe aus?

Im Allgemeinen versteht man unter Tiefenschärfe / Schärfentiefe die Tiefe des Raumes auf dem Foto, welcher ausgehend von der fokussierten Ebene, scharf abgebildet wird. D.h. Objekte, welche außerhalb des Tiefenschärfebereichs liegen, werden unscharf abgebildet, dabei liegt ca. 1/3 des Tiefenschärfebereichs vor der fokussierten oder anvisierten Ebene und 2/3 dahinter.

Einfluss der Blende auf die Tiefenschärfe / Schärfentiefe

In welchem Zusammenhang steht nun die Blende mit der Tiefenschärfe / Schärfentiefe?
Wie wir in Lektion 3 erfahren haben besteht die Blende aus einem Lamellenkranz, welcher in seiner Größe veränderbar ist. Über diesen Lamellenkranz wird die Menge des einfallenden Lichtes gesteuert. Diese Blende ist im Prinzip vergleichbar mit der Pupille des menschlichen Auges, es gibt kleinere und größere Blendenöffnungen.
Eine kleine Blendenöffnung (kleine Blende; großer Blendenwert) verringert die Lichtmenge, welche durch das Objektiv auf den Sensor fällt. Der Schärfebereich (Tiefenschärfe / Schärfentiefe) ausgehend von der fokussierten Ebene wird größer je kleiner die Blendenöffnung wird. Umgekehrt wird der Schärfebereich, ausgehend von der anvisierten Ebene, kleiner, je größer die Blende (große Blende; kleiner Blendenwert) bzw. die Blendenöffnung wird.

Neben der Blende spielen der Abstand zum Motiv und die verwendete Brennweite des Objektivs eine wesentliche Rolle bei der Tiefenschärfe / Schärfentiefe. Ein kurzer Abstand zum Motiv sorgt zusätzlich zu einer großen Blende (große Blende; kleiner Blendenwert) für einen geringen Schärfebereich, immer ausgehend von der fokussierten Ebene. Für einen noch geringeren Schärfebereich, sorgt zusätzlich noch eine große Brennweite.

Merke:
• je näher der Sensor dem Objekt kommt, desto geringer die Tiefenschärfe / Schärfentiefe
• je länger die Brennweite, desto geringer die Tiefenschärfe / Schärfentiefe
• je größer die Blende, desto geringer die Tiefenschärfe / Schärfentiefe

Die Größe des Sensors nimmt ebenfalls Einfluss auf die Tiefenschärfe / Schärfentiefe. Da wir aber in der Regel keinen Einfluss auf die Sensorgröße nehmen können, möchte ich hier nicht weiter darauf eingehen. Vielleicht kurz, damit Sie es zumindest mal gehört haben: Die effektive Tiefenschärfe / Schärfentiefe, bei gleichem Kamerastandort, wird größer je kleiner der Aufnahmesensor der Kamera.

Bei der Makrofotografie wird das Zusammenspiel zwischen Blende, Brennweite und Entfernung zum Motiv, bzw. Objekt, besonders deutlich. Da im Makrobereich das Objektiv, dem Objekt sehr Nahe kommt und oft Brennweiten größer 50mm eingesetzt werden. Der Schärfebereich (Tiefenschärfe / Schärfentiefe) ist hier am geringsten.

Folgende Nahaufnahmen von einem Lineal sollen Ihnen das verdeutlichen.
Tiefenschärfe Makrofotografie


Wie Sie in der Grafik mit dem Lineal erkennen können, nimmt der Schärfebereich zu, je kleiner die Blende wird. Während wie auf dem Bild zu erkennen bei der größten Blende, hier von 5, der Schärfebereich lediglich um den Bereich der 15 auf dem Lineal liegt, ist bei der kleinsten Blende, in diesem Fall Blende 51 der Schärfebereich am größten. Bei der hier kleinsten Blende (Blende 51) sind alle Zahlen zwischen 10 und 18 erkennbar.

Die Brennweite bei diesen Aufnahmen betrug 100mm, der Abstand zwischen Sensor und Motiv (Zahl 15) betrug ca. 30cm.

Bei dieser Makroaufnahme wird die Schärfeverteilung im Zusammenspiel zwischen Blende, Brennweite und Motivabstand deutlich. Aufgrund des geringen Abstands zum Motiv und der Telebrennweite von 100mm, reicht nicht einmal diese extrem kleine Blende von 51 aus, um des kompletten Bereich des abgebildeten Lineals scharf darzustellen.

Tiefenschärfe / Schärfentiefe und Motivabstand

Etwas anders sieht es aus, wenn wir den Abstand zwischen Sensor und Motiv vergrößern. An folgendem Beispiel mit den Wasserflaschen möchte ich den Schärfeverlauf bei einer Brennweite von 100mm und einem Abstand zum anvisierten Objekt von ca. 2 Metern verdeutlichen. Der Fokus lag jeweils auf der Flasche mit dem grünen Pfeil. Die Flaschen selbst wurden jeweils im Abstand von ca. 20cm hintereinander aufgestellt.
Tiefenschärfe lange Brennweite
Klicken Sie auf das Bild, um es zu vergrößern. Achten Sie im Besonderen auf die vordere und hintere Flasche. Der Abstand zwischen der vorderen und hinteren Flasche zueinander beträgt ca. 1m. Der Schärfebereich ist hier im Vergleich zu den Aufnahmen mit dem Lineal wesentlich größer. Die Wasserflaschen vor und hinter der Flasche mit dem Fokus werden hier schon bei Blende 4 recht scharf abgebildet und bei Blende 16 liegen alle Flaschen im Schärfebereich. Hier wird deutlich, wie sich der Schärfebereich vergrößert, wenn der Abstand zum Motiv auch größer wird.

Tiefenschärfe / Schärfentiefe und Brennweite

Wie schon erwähnt, nimmt auch die verwendete Brennweite Einfluss auf den Schärfebereich. Bei folgender Grafik wurde ein 50mm Objektiv verwendet. Der Abstand zum fokussierten Objekt bleibt weiterhin ca.2m Der komplette Aufbau ist identisch zu dem mit dem 100mm Objektiv. Auf der Flasche mit dem grünen Pfeil liegt weiterhin der Fokus.
Tiefenschärfe kurze Brennweite
Wie Sie auf dieser Grafik erkennen können ist bei der verwendeten Brennweite, von 50mm, die Tiefenschärfe / Schärfentiefe am Größten. Schon bei der relativ großen Blende von 4, werden fast alle Wasserflaschen scharf abgebildet und bei Blende 8 sind bereits alle abgebildeten Objekte scharf.
Da bei gleichem Abstand zum Motiv, bei kleiner werdender Brennweite, auch der abgebildete Bereich größer wird, habe ich hier bei der Abbildung mit dem 50mm Objektiv den Bildausschnitt verkleinert, so dass der Vergleich zum 100mm Objektiv verdeutlicht werden konnte.

Tiefenschärfe / Schärfentiefe als Gestaltungsmittel

Die Tiefenschärfe / Schärfentiefe ist ein wesentliches Gestaltungsmittel bei der Fotografie.

Da der Abstand zum Motiv und die Brennweite in der Regel nicht verändert werden, da sich dabei auch jeweils die Perspektive und der Bildausschnitt ändern würde, bleibt meistens nur die Blende, um die Tiefenschärfe / Schärfentiefe zu steuern.

Besonders bei der Portraitfotografie macht sich eine große Blende als Gestaltungsmerkmal ganz gut, da die abgebildete Person so wunderbar vom unscharfen Hintergrund freigestellt werden kann. Während in der Landschaftsfotografie häufig kleinere Blenden verwendet werden, um von vorn bis hinten alles scharf abzubilden.

Kleinste Blende alles scharf?

Sollte man nun immer die kleinstmögliche Blende wählen, wenn man alles durchweg scharf abbilden möchte?

Die Antwort hierauf heiß nein. Warum?:
Bei Blenden kleiner 16 (Bei einigen Objektiven evtl. schon kleiner 11 oder 8) kann es zu einer Beugungsunschärfe kommen. D.h. das Licht wird bei geschlossener Blende gebeugt, es trifft nicht mehr genau die Bereiche des Sensors, die das Licht eigentlich erreichen soll, so schleicht sich bei weit geschlossener Blende eine gleichmäßige Unschärfe über das Bild. Sie sollten also Ihre für Ihr Motiv geeignete Arbeitsblende finden, um die größtmögliche Schärfeleistung zu erzielen. Man spricht hier auch von optimaler Blender, oder förderliche Blende. Es gilt also den richtigen Kompromiss zwischen Tiefenschärfe /Schärfentiefe und Beugungsunschärfe zu finden.

weiter zu Lektion 4 Informationen zur Belichtungszeit / Verschlusszeit


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