Fotolehrgang Lektion 3 -- Die richtige Belichtung. Blende, Tiefenschärfe.



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Die richtige Belichtung: Informationen zur Einstellung der Blende

Fotolehrgang Lektion 3 Die Blende

Automatikfunktion

Digitale Kameras haben heutzutage zwar die Möglichkeit über die eingebaute Automatikfunktion die richtige Belichtungszeit und Blenden Einstellung automatisch zu berechnen, doch wird es immer wieder Situationen geben, bei denen eine manuelle Einstellung zu besseren Fotos führen wird. Dazu ist allerdings einiges an Grundwissen nötig.

Kommen wir als erstes zur Einstellung der Blende.

Über die Blende wird bestimmt, wieviel Licht über das Objektiv auf den Bildsensor fällt. Je größer die Blende (kleiner Blendenwert) gewählt wird, desto mehr Licht kann auf den Bildsensor einfallen, immer unter der Beachtung der eingestellten Belichtungszeit. Anders herum betrachtet, je kleiner die Blende (großer Blendenwert), desto weniger Licht fällt während der gewählten Belichtungszeit
auf den Bildsensor ein.

Die Größe der Blende bestimmt nicht nur das über das Objektiv einfallende Licht, sondern auch die Schärfe des Fotos, man spricht auch von der Streuung des Lichtes, welche durch die Blendenöffnung bestimmt wird.

Bei einer großen Blendenöffnung (kleiner Blendenwert) wird das Licht deutlich mehr gestreut, ähnlich wie bei einem voll aufgedrehten Wasserhahn, das Foto wird bei einer großen Blendenöffnung eine geringere Tiefenschärfe haben, als bei einer kleinen Blendenöffnung (großer Blendenwert).

Bei einer kleinen Blendenöffnung (großer Blendenwert) wird das Licht deutlich mehr gebündelt, Das Foto bekommt eine höhere Tiefenschärfe.

Tiefenschärfe oder Schärfentiefe

Was ist der Unterschied zwischen Tiefenschärfe und Schärfentiefe?

Es gibt keinen Unterschied, beide Ausdrücke bedeuten das Gleiche. Bei beiden Ausdrücken wird der Entfernungsbereich beschrieben, in dem Objekte durch ein Objektiv noch scharf dargestellt werden, also der Raum auf dem Foto, der scharf abgebildet ist.

Es gibt viele Diskussionen darüber, auch in Fachkreisen, welcher Ausdruck von beiden wohl der richtige ist. Fakt ist, wird der Begriff Tiefenschärfe bei der Suchmaschine Google eingegeben, werden fast doppelt so viele Treffer aufgelistet, als bei dem Begriff Schärfentiefe.

Mir persönlich gefällt der Begriff Tiefenschärfe am besten, daher werde ich hier auch weiter mit diesem Begriff arbeiten.

Ich merke mir das auch immer so:
Je kleiner die Blende, desto größer die Tiefenschärfe und je größer die Blende, desto mehr allgemeine Unschärfe wird erreicht.

Wer mit dem Begriff Schärfentiefe besser leben kann, soll halt diesen Ausdruck verwenden, ich bleibe bei der Tiefenschärfe.

Als kleine Faustregel kann man also sagen:

Kleine Blende / große Tiefenschärfe -> scharfe Bilder.
Große Blende / geringe Tiefenschärfe -> allgemeine Unschärfe.

Je kleiner die Blende (großer Blendenwert), desto mehr Tiefenschärfe erhält das Foto (längere Belichtungszeit nötig, Gefahr von Verwacklungen).

Je größer die Blende (kleiner Blendenwert), desto geringer die Tiefenschärfe, (kurze Belichtungszeit nötig, geringere Gefahr von Verwacklungen).

Gemeinheit Blende und Blendenwert

Große Blende – kleiner Blendenwert, dieses augenscheinliche Paradoxon hat mich anfangs immer wieder durcheinander gebracht, das ist auch der Grund, warum ich jedes Mal die Größe des Blendenwertes zur Einstellung der Blende in Klammern geschrieben habe.

Am Beispiel des Flashfilms möchte ich Blende und Blendenwert veranschaulichen. (Sollten Sie die Animation nicht sehen, müssen Sie den Adobe Flash Player installieren.) Die Blendenwerte am Beispiel sind jetzt nicht zu 100% realistisch, sie sollen in erster Linie der Veranschaulichung dienen.

Sie sehen: je größer die Blende wird, desto mehr Licht kann über das Objektiv aufgenommen werden. Der Durchmesser der Öffnung (die Blende) vergrößert sich, während sich der Blendenwert verkleinert.
Merke: Je kleiner der Blendenwert an der Kamera, desto größer die Blendenöffnung, desto mehr Licht kann während der eingestellten Verschlußzeit aufgenommen werden.

Bei älteren Spiegelreflexkameras, z.B. der Praktika L2, konnte man durch den Sucher erkennen, wie das Motiv bei abnehmender Blende immer dunkler und der Schärfeverlauf immer größer wurde. Bei neueren Modellen wird die Blende erst während der Aufnahme aktiviert, so daß das Motiv auch noch bei einer kleinen Blende klar und hell dargestellt werden kann. Die Nikon D80 und auch die D90 haben, um das Motiv bei kleiner Blende durch den Sucher beurteilen zu können, eine Abblendtaste integriert, so daß der Effekt wie bei einer älteren Spiegelreflexkamera simuliert werden kann.

Beispielfotos zur Blende

Die folgenden Beispiel-Fotos wurden alle mit der Spiegelreflexkamera Nikon D80, bei einer ISO Geschwindigkeit (dazu später) von ISO 160 und einer Belichtungszeit / Verschlußzeit von 1/125 s aufgenommen. Die Tiefenschärfe lasse ich hier erst einmal außen vor, es soll hier in erster Linie, die Auswirkungen Der Belichtung durch die Blende bei konstanter Belichtungszeit demonstriert werden.

Die jeweils linke Abbildung wurde mit den Einstellungen geschossen, welche von der Belichtungsautomatik der Nikon D80, als die „richtigen“, gewählt wurde. In diesem Fall Blende 5,6. Ich habe die Nikon D80 auf die Schattenseite der abgebildeten Scheune scharf gestellt. Bei diesen Fotos geht es in erster Linie um die Auswirkung des Lichtes bei unterschiedlichem Blendenwert und weniger
um die Tiefenschärfe.

Hier die Exif-Daten der Automatik-Einstellung, zur besseren Beurteilung:
  • Kamera: Nikon D80
  • ISO-Geschwindigkeit: 160
  • Verschlußgeschwindigkeit: 1/125 s
  • Blende: 5,6
  • Objektiv: 18,0-135,0 mm f3,5-5,6
  • Brennweite: 48 mm
Sie können die Fotos vergrößern, in dem Sie diese anklicken.

Blende 5,6 / 4,8

Fotografie einer Scheune bei Blende 4,8
Das rechts auf der Abbildung gezeigte Foto wurde mit einer Blendenöffnung von 4,8 aufgenommen, links auf der Abbildung, sehen Sie das Foto welches über Belichtungsautomatik aufgenommen (wurde Blende 5,6). Die rechte Abbildung ist deutlich überbelichtet. Auf beiden Fotos ist der Himmel völlig weiß, obwohl er an diesem Tag eigentlich blau war.

Blende 5,6 / 5

Scheune bei Blende 5
Die rechte Abbildung des Fotos, welche mit einem Blendenwert von 5 aufgenommen wurde, kommt dem der Automatikeinstellung schon deutlich näher. Am besten werden Sie es erkennen können, wenn Sie auf die abgebildeten Fotos klicken, um diese zu vergrößern. Die Schattenseite der abgebildeten Scheune kommt bei den bisherigen Aufnahmen zur Zeit am besten weg.

Blende 5,6 / 6,3

Aufnahme einer Scheune bei Blende 6,3
Auf der Abbildung rechts habe ich die Blende weiter zugemacht, um die Scheune abzulichten (Blende 6,3). Wenn ich von der automatischen Einstellung (Blende 5,6) ausgehe, habe ich das Foto also schon etwas unterbelichtet. Auf der Schattenseite der Scheune sind nun auch etwas weniger Details zu erkennen, aber wenn man genau hinschaut, kommt nun auch etwas Blau vom Himmel zum Vorschein (notfalls das Bild vergrößern). Wir büßen nun zwar ein paar Details ein, sehen aber auch, daß der Himmel zumindest etwas blau war. Dieses Foto gefällt mir persönlich am besten – bedenken Sie, daß das Hauptmotiv die Schattenseite der Scheune war.

Blende 5 / 7,1

Fotografie einer Scheune bei Blende 7,1
Bei der rechten Aufnahme, der rechten Abbildung, habe ich den Blendenwert noch weiter erhöht (Blende 7,1), also die Blende noch weiter geschlossen und somit gegenüber der von der Nikon D80 automatisch gewählten Blende von 5,6, noch weiter unterbelichtet. Sie sehen, daß auf der Schattenseite der Scheune noch weniger Details zu erkennen sind. Doch, so habe ich zu mindestens den Eindruck, kommen die Farben der Gräser nun deutlich kräftiger rüber und der Himmel erscheint nun auch mehr im Blau. Sie sehen, daß die automatische Einstellung einer Kamera nicht zwingend auch die Beste sein muß, es kommt immer auf die Bedingungen an.

Blende 5,6 / 8

Ablichtung einer Scheune bei Blende 8
Machen wir die Blende der Digitalkamera (Nikon D80) noch weiter zu und erhöhen den Blendenwert auf Blende 8, so sehen wir, daß die Schattenseite unserer Scheune mit noch weniger Details abgebildet wird, doch die Farben der Gräser und das Blau des Himmels werden dafür farbenfroher abgebildet.

Blende 5,6 / 9,1

Fotografie einer Scheune bei Blende 9,1
Beim letzten Foto habe ich die Scheune mit einer Blende von 9 fotografiert und somit die Blende noch weiter verkleinert. Details auf der Schattenseite der Scheune, auf die ich die Digitalkamera Nikon D80 scharf gestellt hatte, sind nun fast gar nicht mehr zu erkennen. Doch ist dafür der Himmel nun richtig schön blau und die Farben der Gräser entsprechend farbenfroher, als bei der Blende von 5,6, welche die Spiegelreflexkamera Nikon D80 in der Automatikfunktion selbst gewählt hat. Da ja die Schattenseite der Scheune unser Hauptmotiv war, kann man schon behaupten, daß diese Fotografie völlig unterbelichtet wurde, auch wenn die anderen Farben nun besser wegkommen.

Elektronische Bildverarbeitung (EBV)

Fotografie einer Scheune bearbeitet mit einem Bildverarbeitungsprogramm
An dieser Stelle möchte ich kurz auf das Thema Elektronische Bildverarbeitung, kurz EBV, eingehen.

Ein großer Vorteil der digitalen Fotografie ist es, daß die Fotos später ganz leicht am PC bearbeitet werden können. Ich habe zur Veranschaulichung noch mal das letzte Foto, welches mit Blende 9,1 fotografiert wurde, mit einer am Computer bearbeiteten Version des gleichen Bildes auf der Abbildung rechts gegenübergestellt.

Die Bilder wurden alle als RAW-Dateien (Rohmaterial, dazu später) aufgenommen, so das für eine spätere Bearbeitung der Fotografien mehr Informationen zur Verfügung stehen.

Mit ein paar Änderungen des Füllichts am PC und ein paar Kontraständerungen und Schärfungen konnte ich das unterbelichtete Bild wieder retten und neben den Details auf der Schattenseite der Scheune auch noch die Farben der Gräser und das Blau des Himmels erhalten. Klicken Sie ruhig auf die Abbildung, um diese zu vergrößern, Sie werden den Unterschied erkennen.

Ein Versuch, das erste Foto, welches mit einer Blende von 4,8 überbelichtet wurde, zu retten, brachte keinen großen Erfolg, ich konnte zwar das Bild abdunkeln und auch die Farben der Gräser besser darstellen, aber der Himmel blieb weiß.

Wann welche Blende?

Welche Blende schließlich die richtige ist, muß letztendlich der Fotograf selbst entscheiden. Es kommt immer darauf an, was er denn fotografieren möchte.

Vielleicht als kleiner Tipp:
Möchte der Fotograf Konturen hervorheben und Tiefenschärfe erreichen, wie z.B. bei Aufnahmen von Landschaften, dann sollte er einen größeren Blendenwert, also eine kleinere Blende wählen und die Belichtungszeit / Verschlußzeit erhöhen. (Stativ verwenden). Geht es eher um Portrait-Fotos, so ist die Wahl einer größeren Blende (kleiner Blendenwert) sinnvoller.

weiter zu Lektion 3.1 Blende als Angabe der Belichtung


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